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Am 20.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Offener Brief von Rauert an Tierschützer

Kreis-Pressesprecherin nimmt Stellung zu erhobenen Vorwürfen

Unna. Die Vermittlung von vier Staffordshire-Hunden nach Saudi-Arabien treibt viele Tierschützer auf die Barrikaden. In die Kritik geriet auch Constanze Rauert, Kreis- Pressesprecherin. Sie wurde unter anderem in Leserbriefen hart angegriffen. Constanze Rauert nimmt in einem offenen Brief Stellung zu den Vorwürfen:

“Mit Verwunderung habe ich am 17. Juli den veröffentlichten Leserbrief zu Kenntnis genommen.

Sie gestatten mir, dass ich auf eine Kommentierung der Wortwahl an dieser Stelle verzichte. Und sie gestatten mir sicher auch, dass ich zu der Behauptung, ich hätte etwas behauptet, nur am Rande anmerke, dass ich dies nicht behauptet habe. Und lediglich um Missverständnisse zu vermeiden, erlaube ich mir einen Hinweis: Weder die Pressesprecherin noch andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden das innerhalb dieser Kreisverwaltung geltende, durch soziales Verständnis beziehungsweise schlicht gute Erziehung geprägte Niveau für allgemeine Umgangsformen drastisch absenken und an wie auch immer gearteten unerquicklichen, weil unsachlich geführten Streitereien teilnehmen.

Entscheidungen treffen Fachleute mit Überblick

Ich möchte vielmehr die Gelegenheit nutzen, um die Bedeutung, die die “Spaziergänger” und andere ehrenamtlich Tätige für die aus den unterschiedlichsten Gründen im Tierheim des Kreises Unna untergebrachten Tiere haben, zu unterstreichen. Sie werden nachvollziehen können, dass in einer Behörde - wie auch bei Unternehmen der freien Wirtschaft selbstverständlich - Entscheidungen durch Fachleute mit der entsprechenden Ausbildung, dem notwendigen Ein- und Überblick und fundiertem Wissen getroffen werden.

Tierheime sind nur eine Zwischenstation

Gerade so sorgfältig abzuwägende Entscheidungen, wie sie bei der Vermittlung eines Tieres zu treffen sind, können auf Ehrenamtliche weder abgeschoben noch ihnen überlassen werden.

Tierheime sind als Zwischenstation auf den Weg in ein dauerhaft neues Zuhause konzipiert. Die Vermittlungsbemühungen und gerade die jüngsten Vermittlungserfolge unterstreichen, dass dies im Bewusstsein aller für das Tierheim und die dort untergebrachten Hunde, Katzen, Vögel und Hamster Verantwortlichen an zentraler Stelle verankert ist.

Ich lade ausdrücklich zu einer sachlich orientierten und damit auch Zuständigkeiten beziehungsweise Verantwortlichkeiten akzeptierende Zusammenarbeit zum Wohle der Tiere ein - denn das ist es, worum es wirklichen Tierfreunden zu allererst gehen sollte.

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Am 23.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Tierheim: Angebot aus Tschechien

Zwei Kampfhunde sofort vermittelbar

Unna. Das Tierheim Unna kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Einrichtung vier Staffordshire-Hunde nach Saudi-Arabien vermittelt hat (wir berichteten) und dafür massiv Kritik von Tierschützern bekam, bahnt sich ein neuer Konflikt an. Diesmal geht es um ein Tierheim in Tschechien. Das haben indessen Tierschützer herausgesucht.

Eine Tierschützerin aus Süddeutschland stellte den Kontakt nach Tschechien her und machte dem Kreis-Tierheim ein Angebot. Zwei bis drei so genannte Kampfhunde (Listenhunde) könnten sofort in das Tierheim in der tschechischen Stadt Melnik gebracht werden. “Da es in Tschechien weder eine rassespezifische Gesetzgebung, noch irgendwelche Vorurteile seitens der Bevölkerung gibt, gilt das auch für Hunde, die bei uns wegen ihrer Rasse als äußerst schwer vermittelbar gelten”, schreibt die Tierschützerin.

Der Kreis prüft das Angebot “ganz genau”, betont Constanze Rauert. Erste Recherchen seien indessen nicht so vielversprechend, “wie es die vermeintlichen Tierschützer behaupten”, betont Rauert. Die Tierschützer wiederum erklärten, bei einer Nicht-Vermittlung sei der Beweis erbracht, dass der Kreis die Tiere “gar nicht vermitteln will.”

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Am 24.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Tierheim: FDP kritisiert Sprecherin des Kreises

Unna. Die Tierheim-Diskussion bekommt eine politische Note.

Die Kreis-FDP nimmt Stellung zur aktuellen Situation und wirft dem Kreishaus in Person der Behördensprecherin Constanze Rauert mangelnde Transparenz vor. Es habe seitens des Kreises viel zu wenig Informationen über die Vermittlung von vier Kampfhunden nach Saudi-Arabien gegeben, sagt Kreistagsmitglied Sigurd Senkel. Der Kreis habe hier aus “unverständlichen Gründen abgeblockt”.

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Am 26.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Keine Hunde für Tschechien

Kreis lehnt Angebot “dankend ab”

Unna. Der Kreis Unna vermittelt keine Hunde nach Tschechien. Diese Entscheidung gab gestern Kreis- Pressesprecherin Constanze Rauert bekannt. Rauert deutlich: “Dieses Angebot lehnen wir dankend ab”.

Das Angebot kam von einer Tierschützerin aus Süddeutschland. Die hatte von den Querelen zwischen Tierheim und Tierschützern bezüglich der Vermittlung von vier Staffordshire nach Saudi-Arabien erfahren. Die Hundefreunde sind überzeugt, die Tiere würden dort für Kämpfe eingesetzt. Die Münchnerin schrieb dem Tierheim, sie könnte “sofort” zwei bis drei Listenhunde (sogenannte Kampfhunde) in das Tierheim der Tschechischen Stadt Melnik vermitteln.

Der Deal kommt nicht zustande. “Wir haben uns mit dem Deutschen Tierschutzbund in Verbindung gesetzt, und der empfiehlt grundsätzlich keine Vermittlungen nach Tschechien”, sagt Rauert. Darüber hinaus habe der Tierschutzbund keine Partner-Organisation in Tschechien. Die Situation vor Ort sei also nicht einschätzbar.

Und in Saudi-Arabien? Der Tierarzt, der für die Vermittlung verantwortlich zeichnet, hätte einen guten Leumund im Kreis Unna. “Den Hunden geht es in Saudi-Arabien gut”, betont Rauert.

Die Entscheidung gegen Tschechien stieß bei den Tierschützern gestern auf Unverständnis. “Das Tierheim wollte von mir nicht einmal eine Telefonnummer geschweige denn Adressen haben”, zweifelt die Münchnerin (Name der Red. bekannt) an der Recherche des Kreise Unna.

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Am 27.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Gassigänger dürfen nicht mehr Gassi gehen

Unna. Der Kreis Unna hat fünf Gassigängern mitgeteilt, dass man auf ihre ehrenamtliche Mitarbeit ab sofort verzichten wolle.

Um einen reibungslosen Ablauf im Tierheim zu gewährleisten, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Ein Hausverbot sei mit dieser Einschränkung nicht verbunden. Die fünf Gassigänger hatten unter anderem die Vermittlung von vier Staffordshire-Hunden nach Saudi-Arabien kritisiert und “die Mitarbeiter immer wieder nur in diese Sache eingebunden” sagt die Behördensprecherin (mehr auf Seite 5).

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Am 27.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna auf Seite 5.

Kreis-Tierheim nimmt Gassigänger an die Leine

Maßnahme sei nötig, um Tierheim-Betrieb in geordnete Bahnen zu lenken

Unna. Der Anruf erreichte die fünf Gassigänger am Donnerstag zur Mittagszeit. Man wolle mit ihnen einmal sprechen, sagte die Telefonstimme. Über Inhalte kein Wort. Treff wäre um 17.30 Uhr im Kreishaus. Bitte den Hintereingang benutzen, die Behörde sei zu dieser Zeit bereits verschlossen.

Es wurde ein 16 Augen-Gespräch. Neben den fünf Gassigängern, jenen ehrenamtlichen Tierschützer, die wöchentlich sogenannte Kampfhunde ausführen, saßen Tierärztin Dr. Anja Dirksen, Kreis-Pressesprecherin Constanze Rauert und Fachdezernentin Gabriele Warminski-Leitheußer.

Letztere eröffnete die Diskussion, dankte den Gassigängern für ihr Engagement und teilte ihnen dann mit, dass man auf ihre Mitarbeit in Zukunft verzichten müsse.

Nach der Kritik an der Vermittlung von vier Staffordshire Hunden nach Saudi-Arabien sei es immer wieder zu Diskussionen im Tierheim gekommen. Wichtige Arbeiten des Fachbereichs würden liegen bleiben, weil sich alles nur noch auf das Tierheim konzentriere, so die Fachdezernentin. Als Beispiel: Eine Tierärztin sei eigentlich für den Bereich Lebensmittelkontrolle im Einsatz. Darum könne sie sich aber kaum noch kümmern, “und das wo alle Welt von BSE und Nitrofen spricht”, unterstreicht Rauert.

Warminski-Leitheußer erklärte, sie müsse sich schützend vor ihre Mitarbeiter stellen und den Tierheim-Betrieb wieder in geordnete Bahnen lenken. Die fünf Gassigänger dürfen weiterhin das Tierheim besuchen, bekommen aber keine Hunde mehr ausgehändigt. Nach Angaben von anderen Gassigängern, fehlt dadurch 15 Hunden der Wochenend-Auslauf an der Leine.

Um die Protestnote “geht es nicht”

Das der Rauswurf der Ehrenamtlichen etwas mit einer Protestnote zu tun hat, die ausgerechnet jene fünf Ehrenamtliche unterschrieben haben, wurde von der Kreis-Pressesprecherin weder dementiert noch bestätigt. “Noch einmal, darum geht es nicht” erläuterte Rauert. Es habe keine inhaltliche Diskussion gegeben. Die Verwaltungsspitze habe Konsequenzen ziehen müssen, damit “der Fachbereich wieder ordnungsgemäß arbeiten kann”.

In der Protestnote kritisieren die Tierschützer, dass vier Staffordshire-Hunde nach Saudi-Arabien vermittelt wurden. FDP-Kreistagsmitglied Sigurd Senkel verurteilte gestern die Vorgehensweise der Kreisverwaltung. Diese Aktion schädige das Ehrenamt.

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Am 31.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Brief an Tierheim

Stellungnahme der Gassigänger

Unna. Die fünf Gassigänger, auf deren ehrenamtliches Engagement das Kreis-Tierheim zukünftig verzichten will (wir berichteten) haben eine öffentliche Stellungnahme abgegeben.

Die Tierfreunde weisen den Vorwurf, dass sie das Tierheimpersonal von deren eigentlicher Arbeit abgehalten hätten, weit von sich. “Wir haben uns lediglich an den mit dem Amt vereinbarten Weg gehalten, den wir bei Fragen und Problemen gehen sollten”, schreiben die Betroffenen.

Die fünf hatten unter anderem in einer Protestnote an das Tierheim gegen die Vermittlung von vier Staffordshire- Hunden nach Saudi-Arabien protestiert. Mit dieser Protestnote hätte der Verzicht auf die ehrenamtliche Tätigkeit der Tierfreunde aber nichts zu tun, erklärte die Kreis-Pressesprecherin bereits (mehr auf Seite 5).

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Am 31.07.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna auf Seite 5.

Gassigänger brechen ihr Schweigen

Offener Brief der fünf geschassten Tierfreunde- "Wir waren völlig unvorbereitet”

Unna. Die fünf Gassigänger, denen in der vergangenen Woche untersagt wurde, sich weiterhin als ehrenamtliche Gassigänger im Kreis-Tierheim zu engagieren, brechen ihre Schweigen. In einer Stellungnahme schildern sie nun ihre Version der Dinge. Wir drucken diese Stellungnahme in Auszügen ab:

“Die Mitteilung von Frau Warminski-Leitheußer, dass in Zukunft auf unsere ehrenamtliche Hilfe im Kreistierheim verzichtet wird, traf uns völlig unvorbereitet. Noch letzte Woche gehörten wir zu den besonders verantwortungsbewussten Ehrenamtlichen, was sich durch viele verschiedene Aktivitäten, die wir gemeinsam mit dem Tierheimpersonal und der zuständigen Amtsveterinären durchführten, belegen lässt.

Gerade dieses ausgeprägte Verantwortungsbewusstsein wird uns jetzt zu Last gelegt. Wir konnten nicht nachvollziehen, warum der Kreis vier unkastrierte Staffordshire (zwei Rüden, zwei Hündinnen), nach Saudi-Arabien verschicken wollte.  [...] Den Vorwurf, dass wir das Tierheimpersonal von deren eigentlicher Arbeit abgehalten haben, weisen wir weit von uns. Wir haben uns lediglich an den mit dem Amt vereinbarten Weg gehalten, den wir bei Fragen und Problemen gehen sollten.

Fragen gestellt und um Aufschub gebeten

Wir haben Fragen gestellt. Wir haben um Aufschub gebeten, um uns ein Bild der zukünftigen Lebensbedingungen der Tiere verschaffen zu können. Der Kontakt zu den Verantwortlichen des Kreises wurde von uns nur durch unsere Sprecherin (zu dem Zeitpunkt noch Sprecherin aller Gassigänger) gehalten.

Da unsere Fragen nicht bzw. zum Teil sehr widersprüchlich beantwortet wurden und um die Chance zu schaffen, die Tiere in Deutschland zu behalten, haben wir Kontakt mit namhaften Tierschutzorganisationen und seriösen Interessen- verbänden aufgenommen. Diese widerum bestätigten uns in unserer Zurückhaltung gegenüber dem Transfer der Tiere nach Saudi- Arabien. Auch sie stellten Fragen, wollten Informationen. Wir konnten ihnen keine Antworten geben und verwiesen daher an die zuständigen Stellen im Kreis.

Für die Reaktionen der Öffentlichkeit sind wir nicht verantwortlich. Wir haben uns zu keinem Zeitpunk an die Presse gewandt, noch haben wir Aufrufe im Internet gestartet.

Für uns ging es bis Donnerstag allein um das Wohlergehen der Tiere. Jetzt geht es um mehr. Es geht um unser Demokratieverständnis, um freie Meinungsäußerung und es geht darum, wie mit verantwortungsbewussten Bürgern umgegangen wird. Wir wollen nicht glauben, dass das, was wir gerade erleben, der Stil unseres Landes ist. Wir suchen das persönliche Gespräch mit dem Landrat, in dem wir ihm unsere Handlungs- und Sichtweise darlegen können. [...]

Die Ablehnung des Kreises bezüglich des Angebots eines Tierheims aus Tschechien trifft auf unsere vollste Unterstützung. Tierschützer ist nicht gleich Tierschützer.

Birgit und Joachim Mann, Silke Friederich, Nadine van der Zwert, Tim Heistermann

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Am 17.08.2002 berichtete der Hellweger Anzeiger aus Unna.

Besuch im Tierheim

Kreis-SPD: Jede Hilfe willkommen

Unna. Den Streit zwischen Tierfreunden und dem Kreistierheim (wir berichteten) nahm die SPD- Kreistagsfraktion zum Anlass, sich in der Einrichtung an der Hammer Straße umzusehen. Voll des Lobes kehrten die Politiker zurück und stellten klar: Das Tierheim muss sich auf seine Aufgaben konzentrieren und nicht auf Auseinandersetzungen. Die Arbeit sei vorbildlich, stellt sich die Kreis-SPD hinter den Kurs der Verwaltung. Wer die Arbeit unterstützt, “ist jederzeit willkommen”, heißt es in einer Mitteilung.

Als Erfolg wertete die Fraktion, dass viele herrenlose Tiere schnell vermittelt werden. Selbst Kampfhunde würden, wenn auch nach oft langer Wartezeit, vermittelt. Nur zwei Kampfhunde seien bislang wegen ihrer Agressivität eingeschläfert worden.

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